Sportzentrum im Westen: Schnellschuss oder besser Teil einer umfassenden Sportkonzeption?

Das Sportzentrum 3 im Westen sollte nach gemeinsamen, ursprünglichen Planungen dem TSV West eine neue Heimat bieten. Aktuelle Bestrebungen versuchen, dieses Konzept durch Erweiterung mit zusätzlichen Funktionen aufzublähen, allerdings ohne die Grundlagen eines vereinbarten, allgemeinen Sportstättenkonzepts an die neuen Gegebenheiten der anstehenden Übernahme vorhandener Anlagen im Fliegerhorst anzugleichen. Auch das Angebot eines „modularen“ Konzepts kann die offenen Fragen der Finanzierung aus städtischen Haushaltsmitteln nicht befriedigend lösen, weil es die Alternativen völlig außer Acht lässt.

Am ursprünglichen Konzept will die SPD festhalten: das Sportzentrum 3 wird eine neue Heimat für den TSV West

Nicht nur für den TSV West, sondern auch für Sportschützen und Kegler sollte im Sportzentrum 3 eine neue Heimat geschaffen werden. Das war Ausgangspunkt aller ursprünglichen Überlegungen für diese Planung, mit der auch das besondere Engagement der Fußballvereine im Westen für Jugend und Integration gewürdigt werden sollte. Dabei war und bleibt wichtig, auch an diesem Standort wieder eine Vereinsgaststätte anzugliedern, deren eigenständige Führung dem TSV West überlassen wird, was neben dem eigenen „Stallgeruch“ nicht zuletzt auch notwendige Finanzierungsmöglichkeiten für das Vereinsleben verschafft.

In einem solchen Rahmen hält sich eine anzunehmende Verkehrsbelastung im Rahmen, ebenso die Anzahl an Parkplätzen, die eingeplant werden müssen. Deshalb können die drei Fußballfelder, die angeboten werden sollen, mit genügend Freiraum auf die zur Verfügung stehende Fläche verteilt und teilweise in Nord-Süd-Richtung angeordnet werden (keine Blendbeeinträchtigung durch Sonnenstand). Und es könnte noch Raum bleiben für Bereiche die dem nicht vereinsgebundenen Breitensport zur Verfügung stünden. An denen fehlt es gerade im Brucker Westen besonders und dafürkonnte das gesamte Gelände auch bisher genutzt werden.

In der Nachfolge soll dann das frei werdende, bisher vom TSV West genutzte Sportgelände am Viscardi-Gymnasium vom im Westen gleichfalls dankenswert engagierten BVTA (Beistandsverein türkischer Arbeitnehmer) übernommen werden können, der bisher über gar keine eigene Möglichkeiten verfügt, für Integrationsprojekte im Westen sich aber gleichfalls unverzichtbar gemacht hat.

Erweiterung des Sportzentrums 3 durch weitere funktionale Bestandteile gibt langjährigen Konsens in der Sportstättenplanung auf

Diese Grundvorstellungen waren in zehn Jahren gemeinsamer Überlegungen Konsens bis zum Beginn der aktuellen Legislaturperiode des Stadtrats im Frühjahr 2014. Hier wurde plötzlich eine Erweiterung des Sportzentrums 3 durch weitere funktionale Bestandteile ins Spiel gebracht, die massive Baukörper erfordern. Namentlich eine Mehrfachturnhalle, anfangs sollte sogar noch eine gewerblich zu betreibende Boulder-Halle hinzukommen. Nach ersten Überlegungen hätten diese Baukörper am Südrand des Geländes parallel zum Rothschwaiger Weg Platz finden können (wurde so später nicht weiter verfolgt).

Zu dieser Zeit gab es aber durchaus noch Bestrebungen einiger Akteure, den geplanten und damals bereits beschlossenen Umzug der Stadtwerke an die Cerveteristraße doch noch verhindern zu können. Diese Neubauten entstehen südlich angrenzend an das Sportzentrum auf der gegenüberliegenden Seite des Rothschwaiger Wegs. Sie wirken als Lärmschutzriegel und sind für die ursprünglich geplante, freizügige Belegung nur mit Fußballfeldern unverzichtbar, um die geplanten und teilweise vorhandenen Wohngebiete vor Lärm schützen zu können. Wäre dieser „Riegel“ weggefallen (also keine Bebauung durch Stadtwerke), hätte man immissionsschutzrechtlich einen Ersatz gebraucht. Den hätte ein Hallenbauwerk an dieser Stelle tatsächlich bieten können.

Letztlich blieb es beim Umzug der Stadtwerke. Die Begehrlichkeiten waren aber geweckt. Dabei ist völlig korrekt und auch von der SPD immer so vertreten, dass nach Jahrzehnten der Kulturförderung (Ausbau Kloster Fürstenfeld, zuletzt Erwerb des Lichtspielhauses) jetzt endlich wieder der Sport in den Fokus dessen rücken muss, was die Stadt finanzieren können sollte über die Pflichtausgaben bspw. an Schulen und Kitas hinaus. Es ist auch von uns nicht nur unbestritten, sondern immer wieder gefordert, dass solche Möglichkeiten gerade im Westen der Stadt angeboten werden müssen. Wir dringen nur vor dem Hintergrund knapper Kassen für solche Planungen nachdrücklich darauf, genau darüber nachzudenken, wann wo und wie sie realisiert werden können.

Vernünftige Alternativen bewerten, bevor eine Überfrachtung des Geländes Betreiber und Finanzierung in Nöte bringen kann.

Eine Überfrachtung des ohnehin schon überschaubaren Geländes an der Cerveteristrasse, (also des zukünftigen Sportzentrums 3) mit weiteren Funktionen presst diese in eine drangvolle Enge und treibt die Gesamtbaukosten deutlich in die Höhe. Gleichfalls in die Höhe getrieben wird die Anzahl der Sportvereine, die sich dann (wie derzeit angedacht) als Betreiber die Anlage aufteilen müssen. Das derzeitige Finanzierungskonzept geht davon aus, dass alle Beteiligten für die nächsten 25 Jahre mit dieser drangvollen Enge vernünftig und verantwortlich umgehen werden.

Für die sicher ebenso zu fördernden Hallensportarten gäbe es aber unübersehbare Alternativen. Einerseits könnte im Zuge des (im Gegensatz zur Realisierung des Sportzentrums) bereits beschlossenen Neubaus einer Schule im Westen dort eine für Vereinssport reservierte Mehrfachhalle mit erbaut werden. Andererseits wird die Stadt umfangreiche Sportstätten der Bundeswehr mit deren Abzug aus dem Fliegerhorst letztlich erwerben müssen, die bereits vorhanden sind, uns aber nicht geschenkt werden.

Um diese möglichen Alternativen vernünftig einschätzen und gegeneinander bewerten zu können, hat die SPD schon im September 2015 beantragt, bezüglich des geplanten Sportzentrums 3 zwei Varianten sowohl planerisch wie auch finanziell getrennt zu verfolgen und dann zur Entscheidung vorzulegen. Einerseits die oben dargestellte, ursprünglich geplante „kleine Version“, andererseits den Ansatz eines multifunktionalen und aus unserer Sicht überfrachteten Sportzentrums. Dem ist der Stadtrat mit großer Mehrheit gefolgt und hat dies so beschlossen.

Modulares Konzept ist kein Ersatz zur Planung in Alternativen und könnte die Errichtung einer Turnhalle tendenziell sogar verzögern

Vorgelegt wurde jetzt die „modulare“ Ausformung eines Konzepts, welches die schrittweise Erweiterung einer grundsätzlich zunächst auf TSV West, Schützen und Kegler beschränkten Anfangsplanung später schrittweise auf weitere Funktionen (Turnhalle) erweitern könnte (modulares Konzept). Das aber entspricht eben genau nicht dem dargelegten, beantragten und beschlossenen Auftrag. In diesem Konzept wird nämlich notgedrungen von der späteren Erweiterung als vorgegeben ausgegangen und deshalb die drangvolle Enge verschiedener Sportarten logischerweise vorgegeben. Ganz nebenbei wird so auch die Errichtung einer Turnhalle lediglich für einen unbekannten, späteren Zeitpunkt vorgespiegelt, während sie bei Verfolgung der Alternativen evtl. bereits wesentlich früher errichtet oder geöffnet werden könnte.

Mit unserer Haltung wollen wir eben genau nicht den von uns schon seit Jahrzehnten geforderten, überfälligen Ausbau von Sportmöglichkeiten verhindern. Vielmehr besteht die SPD darauf, diesen mit Vernunft, Übersicht und Augenmass voranzubringen und ganz besonders auch den Breitensport angemessen zu berücksichtigen.

Sportzentrum 3 sollte niemals die Überarbeitung des Gesamtkonzepts ersetzen, sondern offene Eckpfeiler überbrücken

Genau an einer Übersicht fehlt es aktuell. Erst auf Initiative der SPD ist es zur Einrichtung eines Sportbeirats in FFB gekommen. Seit 2007 beschäftigte sich dieser gemeinsam mit der Stadtpolitik mit der Frage, wie die Ansprüche verschiedener Sportarten und auch des Breitensports in einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden könnten, das diese gegeneinander gerecht aufwiegt und zugleich finanzierbar erscheint. Dieses Vorhaben war bis 2012 ziemlich weit gediehen, als die Aussicht auf Übernahme des Fliegerhorsts und der dort befindlichen Sportstätten diese Ansätze letztlich über den Haufen warf. Deshalb wurde damals beschlossen, unter Berücksichtigung dieser neuen Aspekte ein Gesamtkonzept zur Weiterentwicklung unserer Sportstätten zu entwerfen. Dieses Konzept fehlt bis zum heutigen Tag.

Deswegen bleibt es auch beim alljährlichen Ritual der Lippenbekenntnisse, dem Eislaufverein endlich einen Weg in die Zukunft aufzuzeigen (erst auf Antrag der SPD wurden im Haushalt 2016 zumindest Planungsmittel für eine Eishalle in die Finanzvorschau eingestellt). Zustand und Übergabemodalitäten der Sportstätten im Fliegerhorst bleiben unbekannt. Auch bei diesen Fragen hätte es sicher geholfen, mit Vorlage eines Gesamtkonzepts Druck auf die Entscheider auszuüben.

Jammern hilft aber nicht. Es stellt sich einfach die Frage, warum das konzeptionelle Arbeiten nicht fortgesetzt wurde. Einstimmig beschlossen, nie in die Tat umgesetzt. Hier kommen wir wieder auf die ursprüngliche Konzeption für ein Sportzentrum 3 zurück, wie oben beschrieben. Als eine zukünftige Fliegerhorst-Konversion die bis dato einvernehmliche Sportstättenkonvention quasi zerlegt hatte, wurde eines wenigstens deutlich: Der bis dahin eher als Nebenaspekt gehandelte Umzug des TSV West bliebe davon unberührt, weil unstrittig war, dass diese Sportstätten im Westen mit einer möglichen Konversion des Fliegerhorsts nichts zu tun haben würden. Deshalb sollte dieser Teil eines ursprünglichen Gesamtkonzepts sofort weiter betrieben werden. Weitere wesentliche Eckpfeiler eines zukünftigen Gesamtkonzepts wie Hallensportarten, Eislauf, Schwimmen und eben besonders Breitensport mit Bolzplätzen sollten dann entwickelt werden.

Genau diese logisch notwendige Überarbeitung eines übergreifenden Sportstättenkonzepts ist aber ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass einzelne Vereine die Gelegenheit beim Schopf gepackt haben, als Möglichkeiten einer evtl. Erweiterung des Sportzentrums 3 diskutiert wurden und diese dann vehement unterstützt haben. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Diese wischen aber bewusst andere Interessen beiseite, die hier eben nicht zum Zuge kommen, mittelfristig aber auch finanziert werden müssen.

Die SPD bleibt deswegen bei ihrer Haltung, zunächst ein übergreifendes Konzept für unsere Sportstätten zu entwickeln und Prioritäten zur Finanzierung festzulegen. Deswegen bestehen wir auf der Einhaltung der vielen, meist mit großer Mehrheit gefassten Beschlüsse des Stadtrats dazu.

Finanzierungsfragen erzwingen Streckung der Gesamtausgaben über mindestens 10 Jahre und damit wiederum ein Gesamtkonzept

Schon die Finanzierungsfragen erzwingen eigentlich ein Gesamtkonzept für alle Sportmöglichkeiten. Obwohl tendenziell zumindest Einigkeit besteht, dass nach zwei Jahrzehnten Kulturförderung jetzt der Sport als gleichwertige Kultur zu seinem Recht kommen muss, stehen die dafür verfügbaren Finanzmittel in Konkurrenz zu wichtigen Pflichtaufgaben der Stadt (Schulen, Kitas) und sind daher ziemlich begrenzt. Viele Wünsche werden sich erst nach und nach erfüllen lassen, erfordern also auch aus dieser Sichtweise ein Konzept, das die Reihenfolge festlegt.

Allein die (selbst wenn stufenweise erfolgende) Realisierung eines Sportzentrums 3 schwankt zwischen 4,5 Mio.€ in der ursprünglich angedachten „kleinen“ Lösung bis zu 16,5 Mio.€ in einer Endausführung mit allen zugepferchten Funktionen. Der Erwerb der vorhandenen Sportstätten im Fliegerhorst wird nach vorsichtiger und nicht belegter Schätzung etwa 8 Mio.€ erfordern. Die Errichtung einer Eissporthalle oder alternativer Möglichkeiten (Überdachung/Einhausung) ist angesichts der verschiedenen Möglichkeiten und Vorstellungen schwer zu schätzen. Ein Bereich zwischen 5 und 10 Mio.€ erscheint aber als Ansatz angemessen. Dabei sind Aufwendungen für den breiten Publikumssport noch gar nicht berücksichtigt, auch nicht die jeweiligen Folgekosten für den (Unt)erhalt der Investitionen.

Im aktuellen Finanzplan der Stadt sind bis zum Jahr 2022 vorgesehen 10 Mio.€ für Zwecke der Sportförderung. Es wird auch ohne Taschenrechner deutlich: die Luft ist ganz offensichtlich dünn im Brucker Sporthimmel. Und bestimmender Faktor bleiben die Sportstätten im Fliegerhorst bzw. die Weiterentwicklung dieses bereits vorhandenen Sportzentrums. Soweit alle daran festhalten, hier einen neuen Stadtteil entwickeln zu wollen, wäre es schlichtweg schwachsinnig, die bereits vorhandenen, umfangreichen Anlagen dort nicht anzukaufen und die dazu aufzuwendenden Mittel bereits jetzt im Finanzplan zu reservieren.

Diese Unwägbarkeiten und nicht erfolgten Gesamtbewertungen sind der Grund dafür, warum die SPD-Fraktion so sehr darauf besteht, vorhandene Beschlüsse des Stadtrats einzuhalten. Die sind mit Grund so abgestimmt worden, weil man an einem gerechten Gesamtkonzept festhalten wollte. Aktuell ist es in Mode gekommen, Kritiker jedweder Maßnahme darauf zu verweisen, sie wollten Schulen, Kindergärten oder eben hier Sportstätten verhindern und damit die Bürgerschaft ihrer berechtigten Ansprüche berauben. Darum geht es mitnichten. Vielmehr geht es darum zu erkennen, was wir uns leisten können und wie wir diese beschränkten Mittel optimal und nachhaltig einsetzen können.

Finanzierung von Sportanlagen durch minimale staatliche Sportförderung steht in keinem Verhältnis zum Ertrag für die Bürgerschaft

Vor allem die Frage, mit wessen Geld und von wem Sportanlagen zu errichten sind, spielt aus unserer Sicht eine große Rolle. Die staatliche Sportförderung ist in Bayern gesetzlich anders geregelt als in anderen Bundesländern. Zuschüsse gibt es in Bayern nur, wenn ein Mitglied des Landessportverbands Anlagen selbst errichtet und auch dann nur für Einrichtungen, die dem Sport direkt zugute kommen (Toilettenanlagen? Schon schwierig, wenn auch von Gaststättenbesuchern benutzt).

Es gibt aber kaum Sportvereine, die Anlagen in Millionenhöhe aus ihren Mitgliedsbeiträgen selbst errichten können. Am Ende errichtet also wiederum die Stadt diese Anlagen, muss aber über teilweise abenteuerliche Konstruktionen fingieren, als hätte der Verein diese Sportstätte errichtet. Zugleich muss der begünstigte Verein vertraglich die uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeit dieser Sportstätte für 25 Jahre nachweisen können. Im Endeffekt ist maximal ein Zuschuss öffentlicher Fördermittel von 10% zu erwarten. Sollte aber im Verlauf von 25 (!) Jahren irgendein Eingriff auf die Selbstverwaltung erfolgen, können diese zurückverlangt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Eingriff von Seiten der Stadt oder einem der Vereine ausgeht.

Auch das wirft ein weiteres Schlaglicht auf die aktuelle Diskussion. Selbst die Stadtverwaltung rechnet für die maximale „Ausbeutung“ des Sportzentrums 3 bei einem Investitionsvolumen von etwa 16 Mio.€ mit Fördergeldern von etwa 400.000€, den Rest berappt schlichtweg die Stadtkasse, also die Bürgerschaft. Umgekehrt aber bleibt jede Möglichkeit der Kommune ausgeschlosssen, Ansätze eines Breitensports in die selbst finanzierten Anlagen einzubringen. Sie kann dann den jeweiligen Betreiber höchstens darum bitten, auf ihren eigenen Anlagen auch andere Nutzer zulassen zu wollen.

Für die angedachte Realisierung eines Sportzentrums 3 bedeutet das Folgendes: Der TSV West, dem hier ursprünglich eine neue Heimat zugedacht war, muss sich zwangsweise in eine neue Betreibergesellschaft aus verschiedenen Vereinen unter Federführung des TuS FFB einfügen. Diese muss ohne Reibereien für 25 Jahre halten. Die bisher gewohnte Eigengastronomie ist ausgeschlossen, also „Stallgeruch“ fällt weg. Belegungspläne für Umkleiden, Duschen, davor Plätze müssen jeweils ausgehandelt werden.

Vereinsführungen wechseln innerhalb eines Vierteljahrhunderts, und nicht alle haben immer eine glückliche Hand. Gerade die wechselvolle Geschichte des SCF in den letzten Jahren, wo für Belange der Stadt auch solche Finanzkonstruktionen eine Rolle gespielt haben, hat solche Bedenken (leider) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das muss nicht so sein, jedoch steigt das Risiko bereits mit Anzahl der Beteiligten.

Wir bleiben dabei, im Rahmen der möglichen Gelder unsere Sportstätten jetzt zügig auszubauen. Allerdings soll die Stadt diese selbst errichten und dann an die Vereine unter Berücksichtigung von Möglichkeiten für den Breitensport verpachten. Wenn die Bürgerschaft Millionenbeträge investiert, soll sie Herr über diese Investitionen bleiben. Einen entsprechenden Antrag werden wir demnächst vorlegen.

Angebliche Sachzwänge sollten Mahnungen zu Vernunft und Verteilungsgerechtigkeit nicht vom Tisch fegen können

Es ist in letzter Zeit in Mode gekommen in FFB, Mahnungen zur Vernunft bei Schulen, Kitas oder Sportstätten mit Schmährufen zu beantworten, der oder die Mahner wollten den Bürgern die dringend nötigen Einrichtungen verwehren. Egal, ob es um Standortfragen geht, den Naturschutz und Erhalt von Grünflächen, Verkehrsprobleme, oder meist eine Kombination aus allem: Die Vernunft soll angeblichen Sachzwängen weichen.

Die SPD in Fürstenfeldbruck und namentlich Walter Schwarz haben nachweislich seit 20 Jahren unermüdlich dafür gekämpft, unsere Sportstätten endlich aus dem Schatten der Investitionen für Kultur herauszuholen, dazu ein Konzept zu entwickeln, welches alle Sportarten und Nutzergruppen gerecht berücksichtigt und das dann umzusetzen. Daran halten wir fest. Der jetzt im März 2017 dem zuständigen Ausschuss präsentierten Beschlussvorlage fehlt aber jegliche Untermauerung durch ein Gesamtkonzept. Vielmehr werden ohne Not in das kleinste der geplanten Sporteinrichtungen so viele Funktionen hineingepresst wie gerade möglich.

Immer wieder hat der Stadtrat (oft einstimmig oder sehr mehrheitlich) zuerst dieses Konzept und zuletzt für das Sportzentrum 3 eine Alternativplanung ohne Aufblähung der Funktionen gefordert. Wenn die SPD jetzt darauf besteht, diese Beschlüsse auch einzuhalten und dieser Reihenfolge abzuarbeiten, hat dies nichts zu tun mit dem aktuellem Wahlkampf, noch weniger mit Verhinderungspolitik. Es geht auch nicht darum, zusätzliche Funktionen in einem Sportzentrum 3 grundsätzlich abzulehnen. Es geht darum, vernünftige Alternativen auf faktischen Grundlagen gegeneinander abwägen zu können und nicht blindlings einen Schnellschuss abzusegnen, der sich am Ende als Wunschkonzert ganz verschiedener Kandidaten herausstellen könnte.

Es geht schlicht um Vernunft und Verteilungsgerechtigkeit.

KOMMENTAR

von Herbert Thoma

(ehem. Präsident TuS FFB und ehem. Vorsitzender des Sportbeirats)
18.05.2017

Sehr geehrter Herr Haisch,

Sie mögen ja in einigen Punkten mit Ihrer Darstellung der Sportsituation
in Fürstenfeldbruck vom 31.3.17 recht haben. Ich denke aber, dass ich
nach 30 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeiten im Sportverein die
Verhältnisse in Fürstenfeldbruck sehr gut kenne.

Die Sporthalle im Sportzentrum ist auf Wunsch des TuS FFB hinzugekommen.
Die Begründung liegt in der Verlegung des Sportzentrums 2 von der
Kurt-Schumacher-Str. in den Fliegerhorst. Bereits in einem Protokoll des
damaligen Arbeitskreises „Sport in FFB“ wurde festgehalten, dass, wenn
im Sportzentrum FFB 2 Änderungen eintreten, einige wesentlichen
Aktivitäten in das Sportzentrum 3 verlegt werden sollen. Für den TuS
FFB, den weitaus größten, aktivsten und erfolgreichsten Sportverein in
Fürstenfeldbruck, war es damit eine unbedingte Notwendigkeit dort eine
Turnhalle zu beantragen. Dies wurde auch bisher von keiner Partei
bestritten. Wie sollen Kinder und Senioren vom Westen der Stadt in den
Fliegerhorst kommen? Der TSV West hätte ja auch im Fliegfterhorst Platz.
Dass sich durch den Bau der neuen Schule West, der eigentlich erst vor
kurzem beschlossen wurde, andere Möglichkeiten geben, hat auch der TuS
zur Kenntnis genommen. Falls der Platzbedarf für die Möglichkeit einer
getrennten Vereinssporthalle dort geklärt ist, kann dann auch ohne
weiteres darüber gesprochen werden. Nur solange muss der TuS auf die
Sporthalle im Sportzentrum 3 bestehen.

Die Förderung durch den BLSV (Freistaat) beträgt 20 % + 10 % Darlehen,
zusätzlich muss der Verein 10 % aufbringen. Das BLSV-Darlehen muss
eigentlich auch der Verein zurückzahlen. Damit verbleiben 60 % der
Finanzierung bei der Satdt.

Was ich den Parteien in Fürstenfeldbruck, und da ist die SPD nicht
ausgenommen, jedoch dringend ans Herz legen möchte, ist, dass sie sich
endlich mit den betroffenen Vereinen zusammensetzen sollten, bevor
irgendwelche Vorschläge in die Welt gesetzt werden. Ich bin damals als
Sportbeiratsvorsitzender zurückgetreten, weil die Parteien kein
Interesse hatten sich mit der Vertretung der Sportvereine
zusammenzusetzen und über deren Probleme zu reden. Der TuS FFB hat m. E.
den größeren Anspruch auf eine vereinseigene Halle als irgendwelche
Fußballvereine auf neue Plätze. Fußballplätze gibt es in
Fürstenfeldbruck einige. Diese werden von keiner Schule beansprucht,
während die Schulturnhallen laufend durch die Schulen gesperrt werden
(Schulveranstaltungen, Abitur- und Abschlußprüfungen, Elternabend,
Ausstellungen etc.). Einige Hallen sind nur 30 Wochen im Jahr für den
Verein nutzbar. Der TuS hat schon einmal eine Halle gebaut, die die
Stadt heute noch als Schulturnhalle nutzt (Jahnhalle), ohne dass der
Verein Ersatz bekommen hat.

Sie sollten sich auch einmal die Sportförderrichtlinie anschauen. Darin
steht, dass die Zuschüsse der Stadt zwar freiwillige Leistungen sind,
aber dem Range nach einer Pflichtaufgabe als ebenbürtig anzusehen sind.
Leider hat der Sport, außer vielleicht Fußball (SCF),insbesondere der
TuS, in den letzten 50 Jahren davon nichts gemerkt. So müssen die Am.
Footballer des TuS ihre Bundesligaspiele U19 1. BL; 1. Mannsch. 2. BL)
auf einem Sportplatz austragen. auf dem weder sanitäre Einrichtungen
noch Umkleiden vorhanden sind bei immerhin 400 bis 600 Zuschauern. Alle
Fußballvereine zusammen schaffen diese Zahlen kaum. Damit möchte ich die
Verdienste des TSV West in Bezug auf Integration keineswegs schmälern.
Auch im TuS sind viele Nationalitäten vereint.

Die Kultur wurde da ohne Meinungsverschiedenheiten unter den Parteien
locker bevorzugt.

Zu einem klärenden Gespräch bin ich gerne bereit. Das habe ich aber
bereits mehrmals schon Hrn. Schwarz angeboten, zuletzt auch Hrn.
Heimerl. Zuerst sollten wir aber mal die Stichwahl am Sonntag abwarten.
Außerdem findet am 24. Mai ein Gespräch mit der Stadt zum Sportzenrum 3
statt. Der TuS ist und war immer für alle Möglichkeiten offen.

Antwort

von Martin Haisch
24.05.2017

Ich darf feststellen, dass die Meinungen gerade durch ihr (auch öffentliches) Eingreifen in die Diskussion ja gar nicht mehr so weit auseinander liegen. Eine einvernehmlich vernünftige und auf diese Weise auch baldige Lösung erscheint durchaus möglich. Die Abkehr von der Priorisierung der Kultur und Hinwendung zum Sport ist unter Einfluss von Walter Schwarz schon länger klare Position der SPD in FFB. Gerade aus diesem Grund gab es z.B. damals teilweise auch aus unseren Reihen deutliche Wiederstände gegen den Erwerb des Lichtspielhauses. Die unwürdigen Zustände, unter denen die Razorbacks auf der Lände antreten müssen, sind uns durchaus bekannt. Wir haben sie auch im Rahmen der Diskussion um die Steintribünen (vergeblich) angesprochen und sie sind Teil unserer Vorstellungen für eine anstehende Umgestaltung des Gesamtbereichs Aumühle/Lände (vorbehaltlich dessen, wie die Razorbacks sich zu einer denkbaren „Umsiedlung“ in den Fliegerhorst stellen).

Die Arbeit aller Beiräte gestaltet sich schwierig im Sinne einer Einbindung in politische Entscheidungsprozesse, und aus allen kommt dieselbe (berechtigte) Kritik. Ihr Arbeitsablauf wird durch die Verwaltung gesteuert, eine begleitende Beteiligung von Stadtratsmitgliedern ist nicht vorgesehen. An ein (mögliches) Rederecht oder Beteiligung an Diskussion im Stadtrat oder seinen Ausschüssen kann ich mich die letzten drei Jahre zumindest nicht erinnern. Umgekehrt gehen die Beiräte höchst selten auf die Fraktionen zu, was ihnen aber angesichts der meist noch zusätzlichen Funktion zu weiteren, vorhandenen Ehrenämtern kaum zu verdenken ist. Die SPD denkt jedenfalls durchaus darüber nach, wie diese Arbeit aufzuwerten und zu verbessern wäre. Inhaltlich aber halte ich an meiner Enttäuschung darüber fest, dass es aus meiner Sicht dem amtierenden Sportbeirat bisher nicht gelungen ist, ein die Ansprüche aller Vereine überzeugend integrierendes Sportstättenkonzept weiter zu fordern bzw. selbst weiter zu treiben.

Die Betonung der integrativen Leistungen des TSV West und auch BVTA hatte einen inhaltlichen Zusammenhang zur Begründung deren aus meiner Sicht historisch gebildeten vorrangigen „Anspruchs“ auf das Sportzentrum III. Es war nicht meine Absicht, hier eine Wertung zu verknüpfen. Mir ist bewusst, dass jeder Sportverein dieselben sozialen Verdienste für sich beanspruchen kann, ganz besonders auch der TuS FFB. Ich werde das notfalls auch ohne eine Veröffentlichung ihrer Stellungnahme nochmals verdeutlichen.

An meinen Ausführungen zum Thema Sportstättenförderung halte ich fest. Dabei geht es mir aber generell um die Art und Weise, wie die Stadt zukünftig mit dieser Frage umgehen soll und wird. Es handelt sich nicht um ein Argument, ob, wo und wie eine Turnhalle im Brucker Westen erstellt werden kann. Mir ist durchaus bewusst, dass der TuS FFB den aktuellen Kriterien der bayrischen Sportstättenförderung eigenständig genügen kann. Umgekehrt halte ich es aber für ziemlich offensichtlich, dass fast alle anderen Vereine dazu nicht in der Lage sind, sondern die „Krücke“ einer Umwegfinanzierung durch die Stadt FFB benötigen werden. Gerade das Beispiel SCF zeigt äußerst unrühmliche Erfahrungen mit solchen Konstruktionen. Es geht mir allein darum, dass die Stadt, wenn sie schon unter dem Strich in den meisten Fällen fast 90% des Aufwands wird tragen müssen, auch prinzipiell Herr über diese Einrichtungen bleiben sollte. Damit ist ausdrücklich nicht gemeint, dass sie diese verwalten soll und muss. Auch die Stadt kann und soll die Einrichtungen an eigenständige Sportvereine oder Gemeinschaften weitergeben. Im Fall von Schwierigkeiten welcher Art auch immer fallen dann aber die Einrichtungen an denjenigen zurück, der sie auch finanziert hat, also der eigentliche Eigentümer ist, nämlich die Bürgerschaft. Sie kann dann erneut über die weitere Trägerschaft ihres Eigentums entscheiden und so eine sinnvolle Weiterverwendung auch erzwingen. Kein „normaler“ Investor würde auf diesen Einfluss für 20 Jahre verzichten für den Gegenwert einer außerhalb der Finanzmöglichkeiten des TuS sehr überschaubaren Finanzspritze. Diese Frage sollte und müsste aber generell diskutiert werden und hat keinen zwingenden Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um die Entwicklung des Sportzentrums III.

Antwort

von Herbert Thoma
24.05.2017

Unwidersprochen kann ich Ihre Antwort leider nicht hinnehmen. Was ich allerdings nicht richtig finde, die anderen Vereine mit dem SCF zu vergleichen. Ich bin der Meinung, dass hier große Fehler der Stadt vorliegen. Wie kann man einen Verein unterstützen, der nicht in der Lage ist vernünftige und durchschaubare Jahresabrechnungen vorzulegen.

Aber dies ist halt Fußball. Dieser Sport hat halt eine größere Lobby als alle anderen.

Leider wurde mir ja jetzt die Mitgliedschaft im Sportbeirat vom Stadtrat verwehrt. Ich habe damals als Sportbeiratsvorsitzender alle Fraktionsvorsitzenden angeschrieben und darum gebeten, dass man sich zusammensetzen sollte. Leider kam damals keine Antwort. Woraus ich geschlossen habe, dass das Interesse an der Vertretung des Sports gleich null ist. Ich bin dann um ein Zeichen zu setzen als Sportbeiratsvorsitzender zurückgetreten. Leider hat dies nichts genutzt. Ich hatte mich ja aus dem Grund wieder um die Mitgliedschaft im Sportbeirat beworben, damit wieder mehr Aktivität in den Beirat kommt. Dies wurde mir von den Stadträten leider negativ angerechnet. Also muss ich wohl davon ausgehen, dass der Stadtrat an einer aktiven Vertretung des Sports kein Interesse hat. Scheinbar kann der Stadtrat auf das Wissen aktiver Sportfunktionäre verzichten.

In der Zwischenzeit habe ich festgestellt, durch Kontakt mit anderen Kommunen und Besichtigung von neuen Sporthallen, dass der Sport dort mehr Beachtung und Rückhalt genießt.

Dies finde ich sehr schade, nach dem man sich eigentlich in der Zusammenarbeit im damaligen Sportarbeitskreis einig war, dass Fürstenfeldbruck eine sport-  und bewegungsfreundliche Stadt sein und werden sollte. Davon ist leider bis heute wenig übriggeblieben.