Entwicklung der Sportstätten in FFB: Wechselreiche Geschichte

Ende des letzten Jahrzehnts herrschte weitgehende Einigkeit im Stadtrat, nach dem finanziellen Kraftakt der Errichtung des Kulturzentrums Kloster Fürstenfeld nunmehr das Augenmerk besonders auf die Entwicklung unserer Sportstätten zu richten. Über mehrere Jahre wurde gemeinsam ein Gesamtkonzept entwickelt, wie, wo und in welcher Reihenfolge das zu bewerkstelligen wäre. Als 2012 die Stadt von der Nachricht überrascht wurde, den Fliegerhorst übernehmen zu sollen, waren diese Ansätze sämtlich überholt. Die meisten der neu zu errichtenden Anlagen sind nämlich dort vorhanden. Deren Ankauf und Übernahme dürfte deutlich günstiger sein als eigener Neubau, vermutlich sogar im selben Zeitrahmen verbleiben.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion zum Sportzentrum 3 erscheint es angebracht, die Verlaufsgeschichte dazu nochmals zu beleuchten.

Wegen Ausbau des Klosters Fürstenfeld wurden Sportanlagen lange vernachlässigt

Eines der im Rückblick unbestritten größten Verdienste des Alt-OB Sepp Kellerer war sicher der Ausbau des Klosters Fürstenfeld zu einem mittlerweile überregional bekannten Kulturzentrum. Allerdings hat dieses Projekt über nahezu ein Jahrzehnt sämtliche Haushaltsmittel in Beschlag genommen, welche die Stadt abseits ihrer Pflichtaufgaben finanzieren kann. Gerade für die SPD war es deshalb wichtig, diesen Vorrang aufzuheben und den lange vernachlässigten Sportanlagen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Im Jahr 2007 wurde deshalb auf Antrag von Walter Schwarz (SPD) die Einrichtung eines Sportstättenarbeitskreis beschlossen. Dieser Arbeitskreis erarbeitete in eineinhalb Jahren, unter externer professioneller Führung und Beteiligung vieler Brucker Sportvereine ein Grundkonzept, das drei Sportzentren vorsah. Es wurde Ende 2008 vorgestellt und beschlossen. Außerdem wurde auf Antrag der SPD ein Sportbeirat durch den Stadtrat installiert. Zum ersten Vorsitzenden dieses neuen städtischen Beirates wurde von dessen Mitgliedern der Präsident des TuS FFB, Herr Thoma berufen.

Als Sportzentrum 1 wurden dabei die vorhandenen Sportanlagen (und möglicher Ausbau) an der Schöngeisinger Straße angesehen (SCF-Gelände, Eisstadion, Amper-Oase). Ein neues Sportzentrum 2 war angedacht nördlich der Kurt-Schumacher-Straße auf dem Gelände entlang des jetzigen Herrenwegs in Richtung Puch, und ein weiteres (Sportzentrum 3) zwischen Cerveteristrasse und B 471, nördlich des Rothschwaiger Wegs.

Ursprüngliche Planungsansätze für ein Sportzentrum 2

Herrr Thoma machte sich vor allem für die Planung und Umsetzung des Sportzentrums 2, stark. Dieses sollte neue Freisportflächen, Tennisplätze, eine Sportschwimmhalle, eine viergliedrige Vereinssporthalle und weitere kleiner Projekte enthalten. Im Zeitraum von 2009 bis 2011 wurden dazu vom Sportbeirat in Zusammenarbeit mit der Stadt planerische Ideen entwickelt, erste finanzielle Überlegungen angestellt, und von der Stadt auch schon mehrere erforderliche Grundstücke erworben. Angesichts von möglichen Gesamtbaukosten für dieses Sportzentrum 2 von (damals) geschätzt 20 bis 24 Mio. Euro war von der Umsetzung weiterer Baumaßnahmen für Sportstätten im Westen oder an der Schöngeisinger Straße damals keine Rede.

Im Jahre 2011/12 kam dann die unerwartete Botschaft, dass die Bundeswehr den Standort Fürstenfeldbruck bis 2019 komplett aufgeben wollte. Das stellte die Stadt vor völlig neue städtebauliche Herausforderungen. Unter Anderem waren angesichts der Tatsache, daß die Fliegerhorst-Sportstätten dann keine Nutzer mehr haben würden und die Umsetzung einer neuen Entwicklungsstruktur Jahrzehnte dauern würde, völlig neue Optionen für die Sportstättenpolitik unserer Stadt denkbar. Bei näherem Hinsehen wurde deutlich, daß im Fliegerhorst mit einer Schwimmhalle, Außensportflächen mit Leichtathletikanlagen, vier Sporthalleneinheiten und einer Tennisanlage, die wesentlichen Anlagen, die in unserem Sportzentrum II geplant waren, bereits komplett und neu saniert vorhanden waren.

Der Stadtrat musste davon ausgehen, dass diese Anlagen für einen Bruchteil der Neubaukosten eines geplanten Sportzentrums 2 zu erwerben wären, nachdem der Bund keine eigenes Interesse daran erheben würde und sich diese Sportstätten zukünftig in ein neues Stadtviertel einfügen würden. Das gilt auch heute noch. Deshalb wurden die Neubaupläne für das Sportzentrum 2 im Jahr 2012 vom Stadtrat mit großer Mehrheit auf Eis gelegt. Nachdem aber die Grundlagen des ersten Sportstättenkonzepts weggebrochen waren, beauftragte der zuständige Ausschuss im März 2014 folgerichtig die Verwaltung, diese beruhend auf den neuen Annahmen weiter zu entwickeln.

Die mögliche Übernahme von Sportanlagen im Fliegerhorst erlaubt Vorrang für Sportzentrum 3 im Westen

Andererseits aber trat so ein erzwungener Stillstand ein, weil ein eigener Neubau des ursprünglich geplanten Sportzentrums 2 kaum schneller vonstatten gegangen wäre als die Übernahme der vorhandenen Anlagen im Fliegerhorst. Aktuell scheint es, dass der komplette Abzug der Bundeswehr sich um ein bis zwei Jahre verzögern wird. Die Stadt braucht darüber endlich konkrete Angaben der Bundesbehörden, dringend auch über die Bedingungen des Erwerbs der Sportanlagen sowie deren Unterhaltskosten. Stadtrat Schwarz hat erst kürzlich beantragt, diese Informationen endlich aktiv einzufordern.

Die im Jahr 2012 so entstandene zeitliche Lücke beim Sportstättenbau hat die SPD-Fraktion zum Anlass genommen, zu beantragen, in der Zwischenzeit wenigstens die bauliche Umsetzung des Sportzentrums 3 in Angriff zu nehmen. Eine neue Heimat für den TSV West, für Schützen und möglicherweise Kegler, war schon konzeptioneller Bestandteil der Arbeit des eingerichteten Sportstättenarbeitskreises. So sollte das Sportzentrum 3 nach der damaligen Vorstellung des Stadtrates auch umgesetzt werden. Zumal der dafür kalkulierte finanzielle Rahmen mit etwa 4 bis 5 Mio. Euro finanzierbar war und nur wegen des bis dahin angenommenen Finanzierungsschwerpunkts für das Sportzentrum 2 zurückgestellt wurde.

Dieser SPD-Antrag wurde vom Stadtrat der vorherigen Legislaturperiode mit sehr großer Mehrheit angenommen, der einstimmige Beschluss ist noch gültig. Das städtische Bauamt hat damals in der Folge bereits planerische Entwürfe und Varianten erstellt, auf der Basis  des damaligen Konzeptes des Sportbeirates (das heute von uns als „kleine Lösung“ bezeichnet wird).

Aktuell: Ausweitung der Funktionen im Sportzentrum 3 zum Nachteil des TSV West

Mit Recht wurde das Sportzentrum 3 ursprünglich zurückgestellt. Der TSV West hatte ja Sportstätten. Begrenzte Mittel sollten also anderen Bewerbern zugeführt werden. Die Aussicht des Erwerbs der Fliegerhorst-Sportstätten hat aber die Grundannahmen geändert, und diese Aussicht ist ja nach wie vor real. Der Ankauf dieser Anlagen dürfte wesentlich günstiger vonstatten gehen als ein eigener Neubau derselben.

Aus dieser Sicht hat sich der Spielraum ergeben, in der Zwischenzeit mit dem Sportzentrum 3 voranzukommen. Das hatte Hintergründe: Neben dem TSV West hat sich auch der dort beheimatete BVTA (Beistandsverein türkischer Arbeitnehmer) ganz besonders in der dort dringend benötigten Sozial- und Integrationsarbeit hervorgetan. Die Verpflanzung des TSV West in eine neue Heimat sollte dem BVTA ein bisher fehlendes, eigenes Zentrum auf dem dann frei werdenden Gelände ermöglichen. Im Zuge der Diskussion um ein Sportzentrum 3 ging es uns deshalb auch immer um eine Aufwertung dieser im Brucker Westen dringend benötigten sozialen Funktionen.

Zu Beginn der neuen Legislaturperiode 2014/2020 kam dann auf einmal ein völlig neues Konzept für das Sportzentrum 3 auf den Tisch. Neuer Kernpunkt eine Sporthalle mit Gymnastiksälen für den TuS als wesentlicher Bauherr, sowie eine gewerblich betriebene Kletterhalle mit einer großen Gaststätte, Gesamtbaukosten ohne (dann nötigen) Grunderwerb 15,4 Mio. Euro. Damit wurden alle bisherigen Planungen und Entscheidungen des Sportstättenarbeitskreises und des Stadtrates über den Haufen geworfen, und die finanziellen Möglichkeiten der Stadt bei weitem überschritten. Eine Begründung für diese Abkehr vom ursprünglichen Gesamtkonzept steht bis heute aus, eine Überarbeitung desselben vor dem Hintergrund der bevorstehenden Konversion des Fliegerhorsts ebenfalls.

Eine Zusammenfassung der aktuellen Diskussion im März 2017 finden Sie hier.