Vorschläge zu planerischen Gestaltungsvorgaben für die Aumühle

Nach dem beschlossenen Wegzug der Stadtwerke und damit der Erledigung vieler, auch sachfremder Grundsatzdiskussionen wird hier ein neues Gelände frei, das in vieler Hinsicht der gesamten Innenstadt FFB ein neues Gesicht geben kann. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung betrifft dies auch nach wie vor das jetzt im Rahmen eines Grundstückstausches der Wohnbaugesellschaft IGEWO übereignetes Gelände südlich der Stadtbibliothek. Im Rahmen einer grundsätzlichen Vertragstreue steht hier sicher außer Frage, dass vordergründig eine Wohnbebauung entstehen wird. Wie aber diese im Gesamtrahmen einer Überplanung des Areals Aumühle/Lände konkret aussehen soll, obliegt der Planungsgestaltung des Stadtrates. Daher einige grundsätzliche Vorschläge zu Gestaltungszielen dieses Raums:

Zum Gelände der IGEWO (ehemaliger Verwaltungsklotz der Stadtwerke)

Auf dem Gelände der bisherigen Verwaltungsbauten soll eine Wohnbebauung realisiert werden mit möglicher Mischnutzung im EG-Bereich. Grundsätzlich sollen dabei folgende Faktoren einbezogen werden:

    • Die Wohneinheiten selbst sollen möglichst flexibel gestaltbar sein und möglichst sowohl die Bedürfnisse von Single- oder Seniorenwohnungen wie auch die von Familien einbeziehen können. Ein behindertengerechter Ausbau ist selbstverständlich.
    • Der Stadtratsbeschluss, eine mindestens 30%ige Fläche für mietpreisgebundene Wohnungen bereit zu stellen, findet Anwendung.
    • Die Grundflächen sollen so gestaltet sein, dass der bisherige Vorplatz der Stadtbibliothek zu dieser Wohnanlage hin zu einem öffentlich nutzbaren Raum (Forumscharakter) erweitert wird.
    • Die Bebauung soll autofrei gestaltet werden, Ausnahmen sollen höchstens in Bezug auf Behindertenfahrzeuge zugelassen werden. Öffentliche automobile Zufahrtsmöglichkeiten enden an der Stadtbibliothek, dort werden Parkplätze exklusiv für Nutzer dieser Einrichtung und ggf. Besuchern des anzusiedelnden Gewerbes bereitgestellt in demselben Umfang wie bisher.
    • Die Bebauung muss eine öffentlich zugängliche Fuß- und Radwegverbindung über den anschließenden Stadtpark zum Bahnhof einerseits, über die Parkdecks zum Kloster hin andererseits ermöglichen.
    • Die optische Gestaltung muss den vorhandenen, historischen Kern berücksichtigen. Das gilt insbesondere für die zu erhaltenden Villengebäude gegenüber der Stadtbibliothek

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Vorstellbar wäre hier ein Gebäude in U-Form, das sich zur Stadtbibliothek hin öffnet. Die beiden Gebäudeschenkel sollen dabei auch in der Höhe die Bausubstanz der Villengebäude aufgreifen, der anschließende Querbau kann eine höhere Bausubstanz aufweisen. Der umschlossene Hof soll den angesprochenen Forumscharakter realisieren können. Der Dachbereich der Seitenschenkel kann als Dachterrasse realisiert werden mit entsprechenden Nutzungsmöglichkeiten.

Das soll aber nur beispielhaft als eine von mehreren Möglichkeiten genannt werden, die oben genannten Planungsgrundsätze auch realisieren zu können. Die tatsächliche Ausgestaltung soll dem weiteren Planungsverfahren überlassen werden.

Verkehrsgestaltung

Das Gebiet der Aumühle ist bereits jetzt äußerst problematisch über die Bullachstraße an die Münchner Straße bzw. Hauptplatz angebunden. Bereits diese Grundproblematik führt ja dazu, mindestens den Fuhrpark der Stadtwerke aus diesem Bereich auszugliedern. Analog führt auch das schon zur Notwendigkeit, die Bullachstraße nicht weiter verkehrsmäßig zu belasten. Theoretisch bestünde die Möglichkeit, eine weitere Verkehrsanbindung für das neue Quartier am Rand des Stadtparks ausgehend von der jetzigen Hauptpost zu schaffen.

Im Sinne einer modernen, innenstadtnahen Urbanität sollte man aber auch abgesehen von obigen Sachzwängen das Areal mit Absicht weitgehend autofrei gestalten. Deshalb sollte man die Möglichkeit prüfen lassen, auf dem Gelände des ehemaligen Polizeiparkplatzes ein Parkdeck für dieses zukünftige Quartier zu schaffen, das durch entsprechende Wegeanbindungen vernetzt wird und in erträglicher Entfernung liegen würde. Eine solche Maßnahme kann auch optisch wenig störend sowohl in Hinblick auf Aumühle, Kloster und Stadtpark realisiert werden. Sie sollte aber im Umfang auch mögliche, weitere Planungen im Bereich Aumühle/Lände vorausgreifend berücksichtigen.

Im Hinblick auf die Ampernähe des gesamten Bereichs dürften Tiefbaumaßnahmen kaum Realisierungspotential bieten.

Taubenhaus

Das so genannte Taubenhaus ist ein zentrales, optisches Element des Geländes, das bereits bei der Zufahrt von der Bullachstraße den Blick beherrscht. Deshalb muss es nicht nur aus Denkmalschutzgründen unbedingt erhalten bleiben. Über die sicher gleichfalls historischen Ziegelbauten dahinter mag man sich streiten. Hier geht es aber dann um die eher architektonische Frage, welche historiche Substanz sich in einen analog zur Bibliothek gelungenen Neu-Einbau sichern lässt.

Der Erhalt der Fassade kann aber schon aus wirtschaftlichen Überlegungen kein Selbstzweck sein. Daher muss sich eine verwertbare Nutzung dahinter anschließen. An schon bisher verfolgten Planungen für die Stadtwerke sollte daher grundsätzlich als Leitlinie festgehalten werden, zunächst unabhängig von Finanzierungsgesichtspunkten. Dies umso mehr, als andere Möglichkeiten (Musikakademie) sich zerschlagen haben und verantwortungsvolle Planung sich nicht auf zufällige sich weiters ergebende Möglichkeiten verlassen kann.

Deren Ausgestaltung muss aber das amperseitige Erdgeschoss für ein mögliches Wegenetz am südlichen Fluß-Arm öffentlich frei halten wie auch einen direkten, öffentlichen Zugang dorthin unter dem Taubenhaus gewähren. Ansonsten könnte hier ein Gebäude errichtet werden, das in seinen Nutzungsmöglichkeuten einen freien Mix bietet aus Wohnen, Büros besonders auch der Kreativwirtschaft oder auch sozialen Sondernutzungen wie Mehrgenerationenprojekten. Vorstellbar wäre auch der Gedanke, die notwendige Erweiterung des Rathauses hierher zu verlegen anstelle komplizierter An- und Erweiterungsbauten im Stammhaus.

Weitere Flächen

Auf dem Gelände des ehemaligen Fuhrparks der Stadtwerke bleiben weitere Flächen offen, die in einem verdichteten Viertel allein als Brachraum zu schade wären,nachdem noch genügend öffentlicher Raum zur Amper verbleibt. Der verwaist erscheinende Tennisplatz am Rande des Silberstegs verbreitet eher Friedhofscharakter und könnte in eine amperseitige Anbindung des Viertels zur Innenstadt einbezogen werden.

Verkehrliche Anbindung

Grundsätzlich sollte man diesen Bereich so autofrei wie möglich planen. Dabei ist es aber nicht gewollt, die Stadtbibliothek und evtl. weitere Gewerbe gänzlich vom Straßenverkehr abzuschneiden, der ja über die Bullachstraße möglich ist und bleiben soll, wenn auch möglichst nicht in erweitertem Umfang.

Zu klären wäre deshalb eine direkte ÖPNV-Anbindung über eine oder mehrere der vorhandenen Buslinien, welche dann anstatt über die Fürstenfelder Straße mit einer Haltestelle an der Bibliothek zum Bahnhof geführt würden. Sollten sich angedachte Konzepte eines City-Ringbussystems durchsetzen, müssten diese sich alternativ oder zusätzlich einbinden.
Betreffend der Mobilitätsanforderungen des Quartiers wäre ferner die Frage zu klären, ob hier moderne Verkehrskonzepte wie Carsharing und/oder Elektroautos besonders gefördert werden sollen, z.B. über priviliegierte Standorte (was den bereits bisher ins Werk gesetzten Prototypen der Stadtwerke in die Hände spielen würde). Hierfür könnten von der Grundsatzplanung nicht berührte Bereiche der Aumühle wie die jetzige Geschäftsführervilla oder auch der ehemalige Fuhrpark bereitgestellt werden.